Montag, Mai 31, 2004

Freitag, Mai 28, 2004

Mal kitzelt's, mal bitzelt's, mal kneift's

Unten ohne / Der Barfußparcour im Heillpflanzengarten des Diaks im Selbsttest


Foto: Thumi

Endlich scheint die Sonne. Genau das richtige Wetter, um den neuen Barfuß-Parcours beim Haller Diak auszuprobieren. Im Heilpflanzengarten schlängelt sich die "Fußerlebnisstrecke" mitten durch das kleine Kräutergärtchen.

Svenja Weber

Schwäbisch Hall.
Also, raus aus den Schuhen und rein ins Vergnügen - oder besser gesagt auf kleine Holzstückchen, die sich auf den blossen Fußsohlen anfühlen, als würde man barfuß durch den Wald wandern.Gleich danach kommt ein Bereich mit aufgeschüttetem Sand - und das Gefühl keimt auf, am Strand entlang zu laufen. Urplötzlich fühlt man sich in Ferienstimmung!
Doch mit diesem angenehmen Feeling ist es ein paar Meter weiter schon wieder vorbei mit dem Spass: Auf die Fußsohlen warten grobe Steine, auf denen man nur schlecht Halt findet und unangenehm rutscht. Schnell weiter, denn da naht eine erholsamere Strecke mit Holz, die sich viel besser anfühlt als die harten Steine. Kurz darauf ist das Gleichgewicht gefragt:Denn da heißt es, über einen liegenden Holzbalken zu balancieren. Aber Autsch, am Ende des Balkens hüpft man in lauter spitze kleine Kiesel. Wer schon einmal auf einen Reissnagel getreten ist, wird sich an dieser Stelle lebhaft daran erinnern . . .
Zur Erholung gibts ganz am Schluß des kleinen Parcours nochmal eine angenehme Portion Sand für Füße. Lust bekommen, ein solches Wechselbad selbst mal auszuprobieren? Dann nix wie los: Der Heilpflanzengarten, angelegt von Christoph Gläser, befindet sich unterhalb der Diakoniestraße neben dem Montessori-Kinderhaus. Augen zu und fühle - denn mal so ganz "unten ohne" auszuprobieren, wie sich unterschiedliche Bodenstrukturen anfühlen, hat seinen eigenen Reiz.
BU.: Raus aus den Stöckelschuhen, rein in den Barfußparcours. Ein kleines Abenteuer für die Fußsohlen kann man im Heilpflanzengarten des Diakoniekrankenhauses erleben. Svenja hat's ausprobiert und es hat ganz schön gekribbelt.

quelle Hallertagblatt - 28.5.2004

Donnerstag, Mai 20, 2004

Vogt: "Kleinen Schoenheitsfehler beheben"

Parteien / Saebelrasseln bei der SPD

Wahlkampfauftakt zur Kommunalwahl mit Oberbürgermeisterin Beate Weber

Saebelrasseln bei der SPD: Noch sitzt die Schmach in den Knochen, dass die CDU bei der letzten Wahl mehr Sitze errang. Das soll anders werden. Am 13. Juni sollen die Waehler "diesen kleinen Schönheitsfehler beheben" wuenscht sich Fraktionsvorsitzender Vogt. Der Genosse ist zuversichtlich, schliesslich "haben wir die Themenführerschaft erhalten".

Elisabeth Schweikert

Schwaebisch Hall.
Obwohl die SPD bereits am Montag zu ihrer elften Veranstaltungsreihe zu kommunalpolitischen Themen ins alte Schlachthaus geladen hatte, kamen am Dienstag Abend zum Wahlkampfauftakt erstaunlich viele Besucher. Dies stimmt die Haller SPD optimistisch. Doch ganz ohne Zittern warten die Genossen nicht auf den Wahlsonntag: "Wir müssen den Wählern klar machen, dass es bei der Kommunalwahl nicht um die Rot-Grüne-Bundesregierung geht. Sonst geht es uns wie letztes Mal und es kommt zur massenhaften Wahlverweigerung", so Dieter Vogt.



Beate Weber, SPD-OberbŸrgermeisterin in Heidelberg, wettert gegen das Klagen Ÿber den Abstieg, die Katastrophen, die Probleme, die sich zur Problematik auswachsen: "Das sind Fragen, auf die wir eine Antwort brauchen." Foto: Thumi

Und wie will die SPD die Waehler mobilisieren? "Durch substanzielle Positionen, die sauber argumentativ aufgezeigt werden", zählt Hans Zippperer, Fraktionsvorsitzender der Kreis-SPD auf, durch Kandidatinnen und Kandidaten, die alle Berufssparten abdecken und jede Altersgruppe. Und natürlich durch Ergebnisse: "Wir treten gerne in den Leistungswettbewerb mit der CDU ein", postulierte Vogt und stichelte: "Leistung beginnt bei einfachen Dingen wie der Präsenz." Wichtige Erfolge der SPD waehrend der letzten Legislaturperiode waren laut Vogt: "Wir haben geschafft, dass sich die Verwaltung endlich mal an die Gemeindeordnung hält und Beschlüsse aus nichtöffentlicher Sitzung bekannt gibt. So erfährt man nicht erst ein halbes Jahr nach der Entscheidung, dass der Flugplatz verkauft ist." Weitere Erfolge, die sich die SPD auf die Fahnen schreibt, sind der Erhalt des Farben-Pfau-Hauses, die Einrichtung der Ganztagesschule in Michelbach sowie eine gerechtere Lastenverteilung. Wer auf städtische Dienstleistungen angewiesen ist, habe darunter zu leiden, wenn es keine starke SPD im Rat gebe, so Vogt.

Wie eine moderne sozialdemokratische Kommunalpolitik aussehen kann, zeigte Beate Weber, die Heidelberger Oberbuergermeisterin, auf. Gegen das allgegenwärtige Misstrauen und die Angst setzt sie Vertrauen und Mut, die Fragen gemeinsam loesen zu koennen. "Überall dort, wo das Vertrauen fehlt, passiert nichts." Ein Beispiel fuer die offene Auseinandersetzung: Als es in Heidelberg darum ging, Kindergärten zu schliessen oder die Gebuehren anzuheben, ging sie mit allen Zahlen und Alternativvorschlägen in die Diskussion mit den Elternvertretern. Nach einer dreistündigen harten Diskussion wurde einstimmig eine satte Gebührenerhöhung beschlossen...
Doch Weber brachte nicht nur Antworten, sondern auch offene Frage mit. Sie sieht die Demokratie und den sozialen Frieden in Gefahr, weil erstens die soziale Schere immer weiter auseinander geht, die breite Mittelschicht abschmilzt, weil zweitens die offene Diskussion der Tarifpartner über gerechte Entlohnung unterhöhlt wird und weil drittens die finanzielle Unabhängigkeit der Kommunen gefährdet ist. Bislang war es so, schilderte Weber, dass Kommunen die Standortbedingungen für die Unternehmen gesetzt haben, indem sie Strassen bauen, Schulen und Kindergärten schaffen, dafür sorgen, dass man nachts sicher durch die Strassen laufen kann.
Wie es weiter geht, nachdem jetzt selbst grosse Städte Schwierigkeiten bekommen, einen ausgeglichenen Haushalt aufzustellen? Die Antwort gibt Weber am Schluss in der Diskussion: Für die Arbeitslosigkeit sei nicht nur der Bundeskanzler verantwortlich, sondern auch die Banker, die weitere Steuersenkungen fordern, obwohl sie selbst keinen Cent Steuern gezahlt haben. "Dass Grossbetriebe keine Steuern zahlen, muss korrigiert werden."

quelle - Hallertagblat - 20.5.2004

Wo der Kunde wirklich Koenig ist

Marktforschung / Institut aus Deggendorf befragt 900 Einkaeufer in und um Hall

Kann Hall den zehnten Platz halten oder sich gar verbessern? Ergebnisse Ende Juni

Kunden, die zwischen dem 19. und 29. Mai über die Zufriedenheit ihres Einkaufs befragt werden, sollten sich nicht wundern. Die Interviewer sind im Auftrag des Deggendorfer Marktforschungsinstituts MF Consulting unterwegs und moechten herausfinden, in welchen Geschäften in Hall der Kunde wirklich König ist.

Jochen Korte

Schwaebisch Hall.
Es ist nach den Jahren 1998 und 2001 die dritte Studie dieser Art. "Wir führen unsere Kundenspiegel in Anlehnung zu den Produkttests der Stiftung Warentest immer ohne Auftrag, neutral und objektiv durch", versichert Diplom-Kaufmann Dieter Grett.



In Hall laesst sich gut einkaufen, weiss Viola Scheiberg aus Michelbach. Die letzten Untersuchungen des Kundenspiegels haben das empirisch belegt. Foto: Thumi

Die Studie soll an den Tag bringen, wie sich die Kundenzufriedenheit bei eingeführten Geschäften aus neun Branchen in den vergangenen drei Jahren entwickelt hat und wie sich neue Geschäfte eingeführt haben. "Wo liegt der freundlichste Optiker, wo die beratungsstärkste Bank, wo das Möbelgeschäft in und um Hall mit dem besten Preis-Leistungsverhältnis?" Antworten sollen die Untersuchung von 75 Firmen und Dienstleistern und die Befragung von 900 willkürlich ausgewählten Personen bringen. Sie sollen Auskunft gegen, wo sie besonders gut eingekauft haben, wo die Bedienung freundlich und kompetent war und wo der Preis gestimmt hat. Die Ergebnisse kommen Verbrauchern und Geschäftsleuten gleichermassen zugute, so das Institut. Sie seien eine Auszeichnung der Branchenbesten und eine Orientierung für den Kunden. Wer nicht so gut abgeschnitten habe könne erkennen, wo Verbesserungen angebracht seien. Die Ergebnisse der Untersuchung werden den Firmen zum Kauf angeboten.
Fünf Garten- und Baumärkte, acht Augenoptiker, sieben Reisebüros, 14 Bekleidungsgeschäfte, sieben Rad-/Sport-/Freizeitgeschäfte, vier Elektrogeschäfte, sechs Schuhgeschäfte, elf Einrichtungshäuser, zehn Apotheken und sieben Geldinstitute knüpfen sich die Deggendorfer vor. Resultate des dritten Haller Kundenspiegels liegen bis Ende Juni vor.

Quelle - Hallertagblatt - 19.5.2004

China-Abhaengigkeit mit Folgen

Firmenkrise / Die traditonsreiche Gschlachtenbretziner Firma Then musste Insolvenzantrag stellen

Lungenpest SARS verhagelt Geschäftsjahr 2003 - Scholl-Then-Mutter zahlungsunfaehig

Noch im Herbst 2002 knallten die Sektkorken. Bei der Geschlachtenbretzinger Traditionsfirma Then glaubte man, mit dem Schweizer Konkurrenten "Scholl Switzerland" eine ideale Fusion geschmiedet zu haben. Doch jetzt gab's eine tragische Kettenreaktion. Die Schweizer Mutter ist offenbar in Konkurs und auch Then musste Insolvenz anmelden.

Rainer Hocher

Michelbach an der Bilz.
Eigentlich war das Ziel klar formuliert, mit dem Schweizer Unternehmen Scholl zusammen zum Weltmarktfuehrer fuer Faerbereimaschinen aufzusteigen. Die bisherigen Konkurrenten, Then-Chef Dr. Carl Cordes und der Schweizer Verwaltungsratspräsident Erich Scholl, wollten mit ihrem neu erwachsenen Komplettangebot in Sachen Faerbereisysteme die grossen Textilunternehmen dieser Welt aus einer Hand bedienen.



Trotz Insolvenzantrag geht bei Then die Produktion von Faerbereimaschinen weiter. Fuer die 136 Mitarbeiter am Standort Gschlachtenbretzingen konnte Insolvenzverwalter Gerhard Tonhaeuser die Gehaelter bis Juli mit einem Kredit der Hausbank sichern. Nach seinem jetzigen Erkenntnisstand sind dieTochterfirmen der Scholl-Then AG "fortfuehrenswert".
Foto: Thumi

Doch die Hoffnungen der jetzt 215 Mitarbeiter (136 bei Then, 79 bei Scholl) sollte enttaeuscht werden: Die in Asien grassierende Lungenpest SARS habe den Export von Faerbereimaschinen fuer ein halbes Jahr praktisch zum Erliegen gebracht. Normalerweise mache Scholl-Then 50 Prozent Umsatz in China, so Then-Chef Dr. Carl Cordes gegenueber dem HT. Der hohe Eurokurs habe sein Uebriges getan. "Die Unternehmensgruppe hat 2003 beachtliche Verluste erlitten", sagt Cordes. Fakt ist, dass die Unternehmens-mutter "Scholl-Then AG" im Schweizerischen Safenwil am letzten Donnerstag Konkurs beantragen musste - wegen unüberbrückbarer Zahlungsunfaehigkeit und Überschuldung. Weil es eine Deckungslücke in Millionen-Hoehe gab, mussten dort die Mitarbeiter sofort nach Haus geschickt werden.
So, wie sich die Sachlage momentan darstellt, löste diese Entwicklung auch einen fatalen Domino-Effekt aus, der die Gschlachtenbretzinger Tochterunternehmen ebenfalls mit in den Sog riss. Als Hintergrund wird genannt, dass die insolvente Scholl-Mutter ihre Aktien in einer Patronatserklärung als Bürgschaft für die Gschlachtenbretzinger Töchter Then Maschinen- und Apparatebau und die Vertriebsgesellschaft Scholl-Then GmbH hinterlegt hatte. Die sind aber nach dem Konkursantrag für die Banken nichts mehr wert. In diese Richtung geht auch eine Spur der Ursachenforschung beim Heilbronner Rechtsanwalt Gerhard Tonhäuser, der letzte Woche als vorläufiger Insolvenzverwalter die Geschäfte bei Then übernommen hat. Zuerst kam der Insolvenzantrag fuer die Scholl-Then GmbH, dann am Freitag für die Then Maschinen- und Apparatebau GmbH.

Tonhaeuser, seit 1988 ein "alter Hase" im Geschaeft der Insolvenzverwalter, ist nach seinen ersten Eindrücken recht optimistisch. Die Firma sei "fortführenswert". Nach seinen ersten Recherchen sei ein Auftragsvolumen von etwa 6 Millionen Euro im Haus. Um jedoch die anstehende Maschinenproduktion vorfinanzieren zu können - weil die Abnehmer in Asien erst bei Lieferung bezahlen - braucht er zunächst von den Banken einen kurzfristigen Kredit von etwa 2 Millionen Euro. Die Lohnzahlungen von Mai bis Juli konnte er schon mal sicherstellen: Die Hausbank gewährte einen 1,5-Millionen-Kredit. Auch Investorenverhandlungen sollen im Gang sein.

Quelle - Hallertagblatt - 19.5.2004

Dienstag, Mai 18, 2004

Sponsoren koennten das Bad retten

Baeder / Unverstaendnis, dass Kreis voll belegtes Lehrschwimmbecken auf Tullauer Hoehe schliessen will

Kreiskaemmerer Haeusssler nimmt an Gespraech bei OB Pelgrim teil - Defizit muss weg

Die Kritik am Landkreis, das eigene Lehrschwimmbecken im Berufsschulzentrum Tullauer Hoehe zum 31. Juli zu schliessen, schlaegt hohe Wellen. Eltern und Paedagogen gehen in die Offensive und versuchen, die Entscheidung rueckgaengig zu machen. "Der Kreis laesst mit sich diskutieren", so Landrat Gerhard Bauer gestern. Und fuegt hinzu: "Wenn es Moeglichkeiten gibt, das Defizit abzubauen."

Jochen Korte

Schwaebisch Hall.
Das letzte Wort in dieser Angelegenheit scheint noch nicht gesprochen. Hoffnung setzen alle, die das Bad benutzen, in die Gespraechsrunde am 7. Juni beim Haller Oberbuergermeister Hermann-Josef Pelgrim. Fuer den Landkreis nimmt Kreiskaemmerer Dieter Haeussler daran teil.


Den Schuelerinnen und Schülern der vierten Klasse der Rollhochschule macht der Schwimmunterricht im Bad auf der Tullauer Hoehe riesigen Spass. Das Bad ist von Montag bis Freitag voll belegt. Genutzt wird es von den Grundschulen Gottwollshausen, Steinbach, Rollhof und Michelfeld, der Sprachheilschule, der Thomas Schweicker Hauptschule, dem Wirtschafts- und dem Ernaehrungswissenschaftlichen Gymnasium und der Montessori-Schule. Foto: Thumi

"Es ist die katastrophale Finanzlage, die uns zu diesem Schritt zwingt", erklaerte Landrat Gerhard Bauer. Aus seiner Sicht koenne der Schwimmunterricht unter Nutzung der Freibadsaison so organisiert werden, dass er nicht ausfallen muesse. Bustransporte in andere Baeder seien immer noch billiger, als ein eigenes Bad mit einem Defizit von 50000 Euro brutto im Jahr zu finanzieren. Ob Sponsoring helfen kann? "Das ist sicher ein Weg", so Bauer.

Die Moeglichkeit in andere Baeder auszuweichen, sehen die Stadt Hall, Eltern und Rektoren als kaum gegeben. Das Schenkensee-Freizeitbad sei ausgebucht und das Michelfelder Bad stehe auf der Kippe. Klaus Grothe, geschaeftsfuehrender Schulleiter der Haller Schulen, redet Klartext. "Wenn der Schwimmunterricht stark reduziert, fuer manche Schulen sogar ganz gestrichen wird, geht das an die Substanz unserer Arbeit." Viele Kinder aus sozial schwaecheren Familien wuerden das Schwimmen in der Grundschulzeit gar nicht mehr erlernen, befuerchtet Grothe.

Schwimmunterricht gehoere verpflichtend zu den Bildungsinhalten in der Grundschulzeit, ergaenzt Karin Haas, Elternbeiratsvorsitzende der Wolfgang-Wendlandt-Schule. Er sei fuer die Schueler einer Sprachheilschule auch eine wichtige therapeutische Ergaenzung. Sie spricht von einem "elementaren Erlebnis", wenn Kinder die Angst vor dem Wasser verlieren, mit ihm vertraut werden und es schliesslich beherrschten. Schwimmen sei ein wichtiger psychischer Ausgleich. "Es waere fatal, wenn das Bad schliesst", ist sich Gesamtelternbeiratsvorsitzende Dr. Eva Koenig sicher. Ueber Sponsoren und Stiftungen muesse es irgendwie hinzukriegen sein, das Bad zu erhalten. Andreas Frese vom Elternbeirat der Rollhofschule kritisiert vor allem die Art, wie der Kreis bei der Schliessung vorgegangen ist. Es muesse alles getan werden, das Bad zu erhalten. Bei so viel gutem Willen muesste sich doch ein Weg finden lassen.


Quelle - Hallertagblat - 18.5.2004

Donnerstag, Mai 13, 2004

Die Erwartungen sind hoch


Foto: Thumi

News 13. 5. 2004

Nach einem Jahr Umbau praesentiert sich am morgigen Freitag das neue Haller Freibad am Schenkensee den Badegästen. Dann koennen Wasserratten aus der ganzen Region im neuen, groesseren Edelstahlschwimmbecken eintauchen oder die Freefall-Rutsche mit elektronischer Geschwindigkeitsmessung ausprobieren. Zur Eroeffnung der Saison ist fuer 16 Uhr ein Festakt angesetzt. Die kleinen Sieder werden tanzen, Kunstspringer werden am Zehn-Meter-Turm zeigen, was alles moeglich ist und acht Schwimmer der TSG weihen mit einem Formationsschwimmen das neue Becken ein. Das Wasser in den Becken, so Badebetriebsleiter Reinhard Lang, wird derzeit erwaermt. Das Sportbecken wird erfrischende 24 Grad bieten, das Erlebnisbecken angenehme 26 Grad Wassertemperatur. Die kuenftigen Oeffnungszeiten: Montag, Mittwoch, Freitag von 7 bis 20 Uhr, Dienstag, Donnerstag, Samstag, Sonntag und an Feiertagen 10 bis 20 Uhr.
Foto: Thumi

Quelle - Hallertagblatt - 13.5.2004

Keine Zeit fuer Armut

Protest / Wohlfahrtsverbaende informieren Buerger ueber Kuerzungen

Wolfgang Engel: Auch die Mittelschicht ist von Einschnitten bedroht

Fuer Armut hat man keine Zeit: Mit freundlichem Laecheln sprachen Wolfgang Engel, Raymund Widmann, Schwester Ewalda und Juergen Vogel Passanten an. Doch kaum einer wollte stehen bleiben und sich mit dem unerfreulichen Thema befassen.

Elisabeth Schweikert

Schwaebisch Hall.
Wenig Beruehrungsaengste und die noetige Zeit hatten dagegen eine Handvoll Schueler. Zielsicher steuerten sie die Stehtischchen an und griffen sowohl nach den Suessigkeiten wie auch nach dem Info-Material. "Aber auch lesen", wird der Griff freundlich-bestimmt kommentiert. "Ja, ja", kommt erst genervt die Antwort.


Von den Einschnitten im Sozialsystem sind alle betroffen, besonders aber die Arbeitslosen, die Kranken, die Alleinerziehenden und die Bezieher von geringen Loehnen. Gestern protestierten die Sozialverbaende in Hall.
Foto: Thumi

Aber dann bleiben sie doch stehen, fragen nach und erfahren, mit welchen Alltagsproblemen sich Obdachlose herumschlagen. Bei einem Tagessatz von 9,90 Euro können Wohnsitzlose oder Sozialhilfeempfänger keine grossen Spruenge machen. "Diejenigen, die auf der Strasse leben, können kaum noch zum Arzt gehen," sagt Jürgen Vogel von der Erlacher Höhe. Die Jugendlichen nehmen die Ausführungen zur Kenntnis und stimmen zu.

"Ich hab noch etwas zu erledigen" heisst es dagegen von den meisten anderen Passanten. "Das ist ein unangenehmes Thema, zu dem man Abstand hält", hat eine der Mitarbeiterinnen der Erlacher Höhe beobachetet. Vielleicht kommt auch hinzu, dass viele tatsächlich nicht betroffen sind, schliesslich gehören die Bewohner Baden-Württembergs zu den wohlhabendsten in ganz Deutschland. - Noch, denn von den Einschnitten, die jetzt drohen, werde auch die Mittelschicht bedroht, kündigt Wolfgang Engel, Geschaeftsfuehrer der Diakonie, an. Familienvaeter, die mit Mitte 50 arbeitslos werden und auf dem Arbeitsmarkt keinen Job mehr finden, gut ausgebildete junge Leute, in deren Berufssparten Umstrukturierungen anstehen ... Diejenigen, die tatsächlich betroffen sind, melden sich lieber verschaemt, berichten Engel und Widmann uebereinstimmend.

Nach den Vorträgen der letzten Wochen ueber die Folgen der Einschnitte sei er mehrfach angerufen worden. "Mein Mann wird arbeitslos. Wie ist das Herr Engel, wie viel bekommt mein Mann naechstes Jahr noch", sei er des oefteren gefragt worden. Unwissenheit ueber die Folgen von Hartz IV bereiten den Leuten schlaflose Naechte. Noch mehr Grund dazu haetten sie, wenn sie wuessten, was auf sie zukomme: Arbeitslose rueckten relativ schnell auf Sozialhilfeniveau herunter. Wer regelmssige finanzielle Verpflichtungen hat, komme mit Sozialhilfe schon heute nicht aus, weiss der Sozialberater der Caritas Raymund Widmann. Wer Sozialhilfe bezieht, werde nach und nach aus dem gesellschaftlichen Leben ausgeschlossen, weil keinerlei Extras mehr finanzierbar seien.

Wie es dann weiter geht? Er weiss es nicht. Auch keine Patentrezepte hat Wolfgang Engel. Doch so, wie es beschlossen ist, könne es nicht funktionieren. "Das ist nicht gerecht." Arbeitslose, die laenger als ein Jahr keinen Job haben, bekommen 345 Euro Arbeitslosenhilfe, Familienangehoerige "Sozialgeld" - aber nur, wenn Beduerftigkeit vorliegt, zeigt Engel auf. Bisher hatte ein alleinstehender Arbeitsloser mit einem Nettoeinkommen von 1400 Euro Anspruch auf 880 Euro Arbeitslosengeld und 740 Euro Arbeitslosenhilfe. Kuenftig bekommt er also nicht einmal die Haelfte davon.

Engel fordert eine Reform der Sozialsysteme, aehnlich dem Schweizer Modell, nach dem alle Leute (auch Beamte, Selbstständige) aus allen Einkünften (auch Kapitalertruege, Mieten) in die Kassen einzahlen. Fuer notwendig haelt er bezuschusste Jobs im Niedriglohnsektor. "Besser wir haben bezuschusste Jobs und die Leute zahlen etwas in die Kassen, als eine steigene Zahl von Arbeitslosen", argumentiert Engel. Auch seien Ideen noetig, wie die Krise bewoeltigbar ist, ausser mit einem Wirtschaftsaufschwung. Dieser lasse wohl noch auf sich warten, vermutet er. Der dann beginnenden Verarmung weiter Bevoelkerungsschichten, muesse anders begegnet werden.

Mit Konkretem befasst sich derweil Schwester Ewalda, die sich nebenan unterhaelt. Ob und was man einem obdachlosen Bettler geben soll, wird sie gefragt. "Die versaufen es doch sowieso wieder", stellt der Frager kritisch fest. "Das sind Leute wie wir", sagt Schwester Ewalda. "Andere trinken auch - nur verborgen in ihren eigenen vier Wänden." Immer mehr Leute, auch Frauen und Kinder, lebten auf der Strasse. "So wie es ist, darf man es nicht laufen lassen. Fragen Sie Ihr Herz", raet sie dem Passanten.

Quelle - Hallertagblatt - 13.5.2004