Wer in den nächsten zwei Monaten in Hall parken will, muss mit Einschränkungen rechnen. Das Parkhaus Schiedgraben wird saniert, 224 Stellplätze fallen vorübergehend weg. Zu Stoßzeiten kann es eng werden.
THUMILAN SELVAKUMARAN
Schwäbisch Hall Uwe Mögel hat ein zeitliches Problem. Der Architekt ist Besitzer eines Job-Parktickets, stellt täglich sein Auto im Parkhaus Schiedgraben ab. "Seit drei Jahren parke ich hier", sagt der 38-Jährige. Ab kommendem Montag muss er aber einen längeren Fußmarsch in Kauf nehmen. Im Parkhaus Schiedgraben stehen Sanierungsarbeiten an, voraussichtlich bis zum Freitag, 3. Juni, bleibt die Tiefgarage geschlossen.
Dauerparker wie Uwe Mögel müssen auf andere Parkhäuser ausweichen. "Die Karten sind dafür freigeschaltet, zusätzliche Kosten entstehen nicht", erklärt Peter Busch, Abteilungsleiter Technische Dienstleistungen der Haller Stadtwerke. Die städtische Tochter betreibt die fünf Parkhäuser und drei großen Parkplätze in der Innenstadt (siehe Karte).
Grund für die Arbeiten sind marode Betonschichten und korrodierter Stahl. "Autos bringen das Salz im Winter in die Tiefgarage. Es sickert in den Beton und zerstört so die Substanz", erklärt Busch. Vergangene Woche wurde der Boden abgeschliffen. "Mit einer Potentialfeldmessung haben wir die schadhaften Stellen identifiziert." Diese würden in den nächsten zwei Monaten erneuert. Betroffen sind alle elf Etagen.
Die Stadtwerke schätzen die Kosten auf eine halbe Million Euro. Dabei muss der Geschäftsbereich Parken ohnehin stark bezuschusst werden. 2010 betrug der Verlust 1,35 Million Euro, jede Parkbucht kostete so rein rechnerisch 765 Euro.
Dringend saniert werden muss auch die Tiefgarage am Langen Graben. Der Kreistag hat nach langem Rechtsstreit beschlossen, den Anteil der Stadtwerke am Objekt für den symbolischen Betrag von einem Euro zu kaufen. Der Landkreis muss dann die Sanierungskosten von 4,7 Millionen Euro alleine tragen. Die Stadtwerke sollen die Tiefgarage aber weitere 20 Jahre betreiben.
Zu Engpässen könne es aufgrund der Arbeiten im Schiedgraben nicht kommen. "Wir haben 471 neue Parkplätze geschaffen: im Parkhaus Kocherquartier und an der Salinenstraße, am ehemaligen ZOB", rechnet Peter Busch vor. Außerdem stünden auf der Erweiterung der Weilerwiese 142 Parkbuchten zur Verfügung. Diese können bis zur Umgestaltung des Platzes zu einem Sport- und Freizeitpark genutzt werden. "Im Schiedgraben fallen vorübergehend aber nur 224 Plätze weg. Unterm Strich haben wir also ein Plus von 389 Stellplätzen."
Dass es trotzdem eng werden kann, hat das vergangene Wochenende gezeigt. Zur Eröffnung des Kocherquartiers standen viele Besucher mit ihren Autos vor den Parkhäusern Schlange, manche warteten vergeblich. "Das war aber ein extremes Beispiel, nicht zu vergleichen mit normalen Wochenenden", beschwichtigt Busch. Stoßzeiten gebe es sonst nur bei Marktbetrieb sowie an Sonntagen mit Veranstaltungen oder gutem Wetter. "Aber man findet auch dann einen Parkplatz."
Wenn es doch voll ist, dann stehen auch die Dauerparker vor verschlossener Schranke. "Und ich dachte früher, die Stadtwerke müssen uns ein bestimmtes Kontingent freihalten", erzählt Uwe Mögel. Dass das nicht so ist, erfuhr der Architekt erst nach einem Anruf bei den Stadtwerken. "Unsere Dauerparker können, falls ihr Parkhaus voll ist, kostenlos auf ein anderes ausweichen", verspricht Busch. Für die Zeit der Sanierung im Schiedgraben gilt das ohnehin.
Heide Blank sieht die Situation sportlich. Die 42-Jährige arbeitet in einer Anwaltskanzlei und parkt mehrmals in der Woche im Schiedgraben, wegen der Nähe zum Amtsgericht. "In den kommenden zwei Monaten werde ich mehr mit dem Fahrrad fahren. Vom Ripperg aus geht das." Uwe Mögel rechnet dagegen mit "erheblichen Einschnitten" in seinem Tagesablauf. "Ich muss nun zum Parken in die Alte Brauerei." Zum Schiedgraben, wo er sonst steht, hat der 38-Jährige eine besondere Beziehung: Eröffnet wurde es, als Uwe Mögel seinen Führerschein bekommen hat - vor rund 20 Jahren.
Quelle - hallertagblatt - 06.04.2011
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