Freitag, September 28, 2012

Wirbel um Polizeieinsatz

Seelsorger kritisiert Festnahme vor Drogenkontaktladen - Polizei: Kein rechtsfreier Raum

Zwei Polizeieinsätze vor dem Drogenkontaktladen Point in Hall sorgen für Wirbel. Seelsorger Wolfram Kaier sieht seine Arbeit, die auf Vertrauen baut, als gefährdet, denn die Besucher kämen nun seltener.

THUMILAN SELVAKUMARAN

Schwäbisch Hall Polizisten in einem zivilen Mercedes beobachten die Szene rund um den Säumarkt und die Gelbinger Gasse. Ein Streifenwagen kommt zur Verstärkung. Dann der Zugriff: Ein junger Mann wird festgenommen. Passanten blicken sich an diesem Freitag Ende August besorgt um. Es handelt sich um einen Routine-Einsatz.

Nicht ganz. Kritik kommt vom Drogenkontaktladen Point. "Ich habe Verständnis für die Polizeiarbeit. Dass sie uns aber als Köder nehmen, halte ich für sehr bedenklich", meint Wolfram Kaier, Pastoralreferent der katholischen Kirche und Drogenseelsorger im Point. Der Festgenommene sei Besucher des Points, der Zugriff sei erfolgt, als dieser das Gebäude verlassen hat. Mehrmals sei der Ort observiert, Tage zuvor ein anderer Besucher kontrolliert worden. "Unsere Arbeit basiert auf Vertrauen, wenn die Polizei dies missbraucht, kommt keiner mehr." Die Besuchszahlen seien zurückgegangen, von täglich 15 auf etwa 3.

Im Point wird Drogenabhängigen Hilfe zum Überleben und zur Verbesserung ihrer Lebensbedingungen gegeben - in Gesprächen, mit Frühstück und in Form von neuen Spritzen. Kaier will dabei nicht die Sucht der Junkies unterstützen, sondern tödlich verlaufende Krankheiten wie Hepatitis C und HIV vermeiden. Drogensüchtige stecken sich mit gebrauchten Spritzen an. "Wir sorgen dafür, dass sie sich nicht infizieren." Durch das Angebot des Points - finanziert durch die katholische Kirche und ermöglicht durch acht Ehrenamtliche - soll nach den Worten Kaiers der Verelendungsprozess der Drogenabhängigen gestoppt und die Voraussetzungen für den Entzug geschaffen werden. Damit täten sie auch der Gemeinschaft etwas Gutes: Ein Suchtkranker koste den Staat mehr Geld als jemand, der ein geregeltes Leben führe und arbeiten gehe.

Kaier sieht seine Arbeit als gefährdet und spricht von einer gezielten Aktion der Polizei. Drogensüchtige seien vor dem Kontaktladen leichte Beute. "Es gab Absprachen mit der Präventionsabteilung der Polizei. Vor dem Point ist ein sensibler Bereich, der gemieden werden sollte."

Die Polizei weist die Kritik zurück. "Wir haben den Verdacht gehabt, dass dort in der Gasse ein per Haftbefehl Gesuchter war. Das hat nichts mit dem Point zu tun", erklärt Sprecher Hans Ulrich Stuiber. Der Kriminelle sei auch nicht nach dem Verlassen des Points festgenommen worden.

Der Drogenkontaktladen stehe gar nicht im Fokus der Polizei. Absprachen seien, so Stuiber, dennoch nicht nachvollziehbar. "Der Drogenseelsorger macht seine Arbeit mit Herzblut, dafür sind wir dankbar, aber der Bereich dort ist kein rechtsfreier Raum." Im Ernstfall müsse auch vor oder im Kontaktladen ein Einsatz möglich sein.

Kaier kontert: "Die Straftat des Mannes hatte nichts mit dem Point zu tun. Die Daten sind bekannt. Die Polizei hätte ihn zu Hause festnehmen können."


Weiterführende Links:  Aids- und Drogenseelsorge

Quelle - Hallertagblatt
Erscheinungsdatum, -zeit: Donnerstag 27.09.2012, 7:30 Uhr

Dienstag, September 25, 2012

Gaukler spielt mit dem Feuer

Haalgschrey feiert Zehnjähriges: Mittelalterlicher Markt auf dem Unterwöhrd

Die Gruppe Haalgschrey feiert am Samstag und Sonntag zehnjähriges Bestehen - mit einem Mittelaltermarkt auf dem Unterwöhrd und dem Grasbödele. Geplant sind Musik, Theater, Lagerleben und Feuershow.

THUMILAN SELVAKUMARAN

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Die Gruppe Haalgschrey bei einem Auftritt im Hohenloher Freilandmuseum Wackershofen. Archivfoto: Thumi 
Schwäbisch Hall Lanzen und Hellebarden ragen in den Himmel, französische Bogenschützen reihen sich auf. Nebenan unterhält ein Gaukler auf dem Unterwöhrd: Ähnlich wie beim Stadtfest 2006, als Hall 850-jähriges Bestehen feierte, ist auch zum runden Geburtstag von Haalgschrey ein mittelalterlicher Markt in der Haller Innenstadt geplant - mit Gauklern, Musikern und Lagerleben. "Die Idee haben wir schon lange, aber jetzt haben wir einen guten Anlass", sagt Martin Haag, Vorsitzender der Spielleute.

Das Programm für das Fest ist reich gespickt. Beginn ist am Samstag um 11 Uhr mit dem Fassanstich am Biergarten. Direkt vor dem Globe Theater wird eine Bühne aufgebaut, wo neben Haalgschrey auch andere Akteure wie Cantus Levitas und Des Geyers Schwarzer Haufen auftreten. Ein Gaukler zeigt eine Feuershow, für Kinder werden Spiele aufgebaut und Künstler wollen "Walking Events" bieten.

Geplant sind Theaterszenen der Spielgruppe des Vereins Alt Hall sowie Greifvogel-Vorführungen vom Grasbödele aus. "Dieser wird begehbar sein, damit Besucher mit dem Falkner sprechen können", sagt Antje Kunz, Sprecherin. Nach dem Programm soll abends gemütlich weitergefeiert werden.

Haalgschrey ist 2002 aus Mitgliedern der Haller Spielgruppe entstanden, die beim Pfingstfest mittelalterliche Szenen zeigen. "Bei den Ritterspielen in Kaltenberg kam Kalle Loske die Idee für eine Musikgruppe", berichtet Haag. "Schnell war ein harter Kern von zehn Leuten zusammen." Gespielt wird seither mit Sackpfeifen, Drehleiher, Flöten und Trommeln - altes Liedgut oder eigene Werke. Etwa zehn Auftritte bestreitet die Gruppe im Jahr.

"Es ist schön zu sehen, dass es mehr werden und unser Bekanntheitsgrad auch überregional steigt", meint Antje Kunz. "Neue Musiker suchen wir aber keine mehr, es gibt bereits eine Warteliste", ergänzt Haag.

Was zusammengehört, wächst zusammen - könnte man meinen, wirken doch Sieder, Spielgruppe und Haalgschrey bei traditionellen Haller Festen wie an Pfingsten oder den Salztagen gemeinsam mit. 2005 haben sich Spielgruppe und Haalgschrey dem Verein Alt Hall angeschlossen, dem auch die Sieder angehören, sagt deren Geschäftsführer Robert Spoden.

Von anfänglichen Rivalitäten sei im Verein heute keine Rede mehr, so Haag. Seit diesem Jahr proben die Musiker im Vereinsheim der Sieder, dem Hoolgascht. Auch um den mit Wein gefüllten Gockel werde es keinen Streit geben, scherzt Spoden. "Denn die Leute von Haalgschrey trinken nur Bier." http://www.haalgschrey.de


Erscheinungsdatum, -zeit: Dienstag 18.09.2012, 7:30 Uhr

Freitag, September 21, 2012

Nach Tod von Sarah O.: Keine Verhandlung

Die Akte zum Tod von Sarah O. im März bei Sulzdorf wird endgültig geschlossen. Der Strafbefehl gegen eine Golf-Fahrerin ist ohne Einspruch rechtskräftig.

THUMI

Schwäbisch Hall Der Strafbefehl gegen die 32-jährige Golf-Fahrerin aus Vellberg lautet auf unerlaubtes Entfernen vom Unfallort. "Da kein Einspruch einging, ist dieser nun rechtskräftig", erklärt der zuständige Staatsanwalt Philipp Kamm.

Das bestätigt auch Richter Jens Brunkhorst vom Haller Amtsgericht. "Die Beschuldigte muss 25 Tagessätze zu 40 Euro bezahlen." Das sind 1000 Euro. Damit ist das Verfahren abgeschlossen, eine Verhandlung wird es nicht geben.

Am frühen Samstagmorgen des 31. März kam es zwischen der 17-jährigen Sarah O. und ihrem ein Jahr älteren Freund vor der Sulzdorfer Disco "Elite" zum Streit. Das Mädchen rannte auf die Bühlertalstraße, er folgte ihr. Beide stürzten, wobei Sarah O. vom vorbeifahrenden Golf tödlich am Kopf gestreift wurde. Die 32-jährige Fahrerin fuhr zunächst nach Hause, stellte sich aber 30 Minuten später der Polizei am Unfallort.


Erscheinungsdatum, -zeit: Mittwoch 12.09.2012, 7:30 Uhr