Donnerstag, Januar 24, 2013

Tochter ist nicht die leibliche

Familiendrama: 54-Jähriger Vater verschont nur seinen Sohn

Wieso hat der 54-jährige Vater am Mittwoch in Veinau seine Frau getötet und später seine Tochter schwer verletzt - den Sohn aber verschont?

THUMILAN SELVAKUMARAN


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Kriminaltechniker untersuchen am vergangenen Mittwoch in Veinau Blutspuren auf dem Parkplatz. Rechts steht der hellblaue Fiat des Opfers. Foto: Thumi 
Schwäbisch Hall Nach Informationen, die dem Haller Tagblatt vorliegen, handelt es sich bei der 24-jährigen nicht um seine leibliche Tochter. Das bestätigte nun auch Oberstaatsanwalt Peter Bracharz auf Nachfrage. Könnte das der Grund sein, wieso der 54-Jährige bei seiner Bluttat nur seinen 21-jährigen leiblichen Sohn verschont hat? Die Polizei ermittle noch, heißt es.

Freunde und Kollegen von Tochter und Mutter berichten, dass es in der Familie immer wieder zu Gewalt gekommen sei. Die Tochter war vor über einem Jahr von Weckrieden in die Kreuzäckersiedlung gezogen. Die Mutter bezog vor wenigen Wochen eine Wohnung in Veinau. Grund für die Trennung sei nicht nur die Gewalt zu Hause gewesen, so Bekannte, sondern auch Eskapaden des Familienvaters.

Laut Kollegen der Getöteten habe die 51-Jährige eine neue Beziehung aufgebaut und sei in den vergangenen Wochen überaus glücklich gewesen. Die Polizei sieht die angestandene Scheidung mit als Grund für die blutige Tragödie.

Der 54-Jährige hatte nach derzeitigem Ermittlungsstand am Mittwoch, 9. Januar, gegen 5.30 Uhr auf dem Parkplatz in Veinau seiner Ehefrau aufgelauert. Dort schlug er, als sie auf dem Weg zum Auto war, mehrfach mit einem Rundeisen auf die 51-Jährige ein und tötete sie. Dann zog er die Leiche in eine Hecke auf dem Grundstück und machte sich auf dem Weg zur Tochter in den Leonhardt-Kern-Weg.

Der 54-Jährige prügelte auch auf die 24-Jährige ein und ließ das Rundeisen bei seiner Flucht in der Wohnung liegen. Zu Hause in Weckrieden schrieb er Testament und Abschiedsbrief, die er Haller Verwandten in den Briefkasten warf. Anschließend fuhr er zurück nach Weckrieden, wo er seinen Sohn weckte und ihm beichtete, dass er Tochter und Frau umgebracht habe. Dann flüchtete er auf Feldwegen zum Diak-Hochhaus, wo er sich das Leben nahm, indem er vom zehnten Stock sprang.

Die vom Sohn alarmierte Polizei fand die Leiche der Mutter in Veinau und die lebensgefährlich verletzte Tochter in den Kreuzäckern. Sie liegt noch immer im künstlichen Koma.


Quelle - Haller Tagblatt
Erscheinungsdatum, -zeit: Mittwoch 16.01.2013, 7:30 Uhr

Mittwoch, Januar 16, 2013

Obduktionsergebnis liegt vor

Familiendrama in Hall: Tochter schwebt weiter in Lebensgefahr

Nach dem blutigen Familiendrama von Mittwochmorgen liegt das Obduktionsergebnis vor. Die 51-Jährige Frau ist an den massiven Kopfverletzungen gestorben. Ihre Tochter schwebt noch in Lebensgefahr.

THUMILAN SELVAKUMARAN


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Erster Tatort: Parkplatz vor dem Mehrfamilienhaus in Veinau. Foto: Thumi 
Schwäbisch Hall Der Bericht berge nichts Unerwartetes, so Hermann Schüttler, Sprecher der Haller Polizei. "Der Mann hat seiner Frau den Schädel eingeschlagen. Das ist die nun bestätigte Todesursache." Auch der Leichnam des 53-Jährigen wurde vom gerichtsmedizinischen Institut obduziert. Es seien dabei weder Alkohol noch Drogen im Blut gefunden worden. Hier ist die Todesursache ebenso eindeutig: der Aufprall nach dem Sturz vom zehnten Stock des Diaks.

Die Polizei hat nun wohl auch die Frage geklärt, wieso sich das brutale Familiendrama von circa 5.30 bis 7.30 Uhr hinzog, also über zwei Stunden: Nachdem der Mann seine vom ihm getrennt lebende Ehefrau mit einem Rundeisen auf dem Parkplatz vor ihrer Wohnung in Veinau niedergestreckt hatte, fuhr er nach Polizeiangaben mit seinem Auto zur Tochter in die Kreuzäckersiedlung, die er lebensgefährlich am Schädel verletzte.

"Wir gehen davon aus, dass er dann mit dem Auto nach Hause gefahren ist", so Schüttler. Dort, in den Pfauäckern in Weckrieden, habe der 53-Jährige einen Abschiedsbrief und sein Testament in einem mehrseitigen Dokument verfasst, bevor er dieses Familienangehörigen in Schwäbisch Hall in den Briefkasten geworfen hat. Erst danach sei er wieder nach Hause, um seinen Sohn gegen 7 Uhr zu wecken und ihm die brutalen Taten zu beichten.

"Das sind Mutmaßungen, bestätigt ist das aber noch nicht", so Schüttler, "der Täter kann dazu ja keine Aussagen mehr machen." Auch die Tochter kann nicht befragt werden. Wegen ihrer massiven Verletzungen wurde sie noch am Mittwoch vom Diak in eine Stuttgarter Spezialklinik verlegt und später ins künstliche Koma versetzt.

Der 21-jährige Sohn, der als einziger das Familiendrama körperlich unbeschadet überstanden hat, wird seelsorgerisch betreut. Er hat der Polizei bereits berichtet, dass der Vater nach der Beichte aus dem Haus gestürmt war. Der Sohn habe ihn verfolgt, aber dann aus den Augen verloren. Der 21-Jährige alarmierte die Polizei von den Feldern aus.

Der 53-Jährige rannte in Richtung Diak und stieg am wenige hundert Meter entfernten Krankenhaus von hinten auf den dort ebenerdigen Zugang zum zehnten Stock des Hochhauses. Laut einer Zeugenaussage sprang er ohne zu Zögern.


Quelle - Haller Tagblatt
Erscheinungsdatum, -zeit: Samstag 12.01.2013, 7:30 Uhr 

Pilot fliegt zu tief

Hubschrauberabsturz auf der A6: Dichter Nebel behindert Sicht des 42-Jährigen

Dichter Nebel und zu geringe Flughöhe waren wohl die Gründe, dass der Hubschrauber am Donnerstagabend auf der Autobahn 6 bei Herdtlingshagen abstürzte. Der 42-jährige Pilot aus Bretzfeld starb.

THUMILAN SELVAKUMARAN

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Der Strommast mit der abgerissenen Leitung rechts. Foto: Weigert   

Braunsbach Dunkle Spuren auf dem Asphalt sind die einzigen Überbleibsel des Helikopter-Absturzes, die am Freitagmorgen auf der A 6 zu sehen sind. Am Donnerstagnachmittag hat der 42-jährige Pilot einer viersitzigen Robinson R44 dort eine Hochspannungsleitung gestreift. Die Maschine ist brennend auf die Autobahn gestürzt - mitten in den Berufsverkehr. Der verheiratete Vater von zwei Kindern verbrannte im Wrack.

Grund für das Unglück war wohl die zu niedrige Flughöhe. "Für Sichtflüge sind 150 Meter vorgeschrieben", so Axel Raab, Sprecher der Deutschen Flugsicherung. Der Strommast selbst ist 60 Meter hoch, die beschädigte Leitung hing auf 45 Metern, wie Transnet-BW-Sprecherin Regina König mitteilt.

Wieso hat der Pilot seine Maschine so weit absinken lassen? Zur Unfallzeit beschränkten nahe der Kochertalbrücke Nebelbänke die Sicht - teilweise auf wenige Meter, wie Augenzeugen berichten. "Wenn der Pilot nichts sehen kann, darf er die Mindesthöhe unterschreiten, um wieder Sichtflugbedingungen zu schaffen", so Raab.

Allerdings gelten weitere Regeln. Anders als im Instrumentenflug hat der Pilot keine Navigationsgeräte oder Radar an Bord - lediglich Höhenmesser und Karten. "Wenn während des Flugs plötzlich Nebel auftaucht, muss er landen oder uns per Funk benachrichtigen, damit wir ihn über Radar navigieren können."

Beides habe der 42-Jährige nicht gemacht. Als er die R44 für einen Freund von der Jahresinspektion in Augsburg nach Bretzfeld flog, habe er versucht, sich an der A6 zu orientieren. "Da er nicht auf unserem Radar aufgetaucht ist, war er wohl lange tief geflogen", meint Raab.

Ein Haller, der von Ingelfingen in Richtung Nürnberg unterwegs war, hat die Maschine kurz vor dem Absturz gesehen. "Die Sicht unten auf der Straße war klar. Über mir war Hochnebel. Ein Hubschrauber kam plötzlich aus dem Dunst heraus." Bärbel Frenz, die 150 Meter entfernt in Herdtlingshagen lebt, hat einen lauten Knall gehört und einen Feuerschein gesehen. "Es war nur ein kurzer Augenblick, dann war alles still."

Der Pilot habe während des Fluges noch über sein iPad einem Feuerwehrkollegen geschrieben und über die schlechte Sicht geklagt, so ein Freund. Aufgrund der schlechten Wetterlage habe er zunächst keine Starterlaubnis in Augsburg bekommen - später dann doch. Der Flughafen Augsburg will dazu keine Stellung beziehen und verweist auf das laufende Verfahren. "Der Lotse kann ohnehin nur eine Genehmigung für den Bereich Augsburg geben", so Raab von der Deutschen Flugsicherung, "für den restlichen Weg ist der Pilot verantwortlich."

"Wir sind erst am Anfang unserer Ermittlungen", sagt der Haller Polizeisprecher Hermann Schüttler. "Das wird sich über Wochen ziehen." Auch die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung hat sich eingeschaltet. Der Schaden am Hubschrauber, an der Leitung und an einem LKW, der leicht beschädigt wurde, liege bei mindestens 300000 Euro.

Transnet-BW will in den nächsten Tagen ein neues Stromseil anbringen lassen, das sich über sieben Masten und rund eineinhalb Kilometer erstreckt, so Regina König.

Der Verkehr staute sich am Donnerstag kilometerweit, die Autobahn wurde bis circa 2.20 Uhr beidseitig gesperrt. Dadurch waren auch die Umgehungsstraßen rund um Hall und Crailsheim laut Schüttler über Stunden völlig ausgelastet.


Quelle Haller Tagblatt
Aktualisiert: Samstag 12.01.2013, 15:15

Hubschrauber stürzt auf A6

Pilot stirbt am Donnerstag nahe Herdtlingshagen - Maschine streift Stromleitung

Ein Hubschrauber ist am gestrigen Donnerstagabend auf der Autobahn 6 bei Herdtlingshagen abgestürzt, nachdem er eine Hochspannungsleitung gestreift hat. Der Pilot kam beim Unfall ums Leben.

Thumilan Selvakumaran

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Die Feuerwehr stellt Flutlichtmasten auf, um die Absturzstelle besser ausleuchten zu können. Wie im Vordergrund zu sehen, bildet sich ein Stau. Die A 6 ist voraussichtlich die ganze Nacht über in beiden Richtungen gesperrt. Foto: Weigert 
Braunsbach Trümmerteile liegen hunderte Meter verteilt zwischen der Anschlussstelle Hall und der Kochertalbrücke. Nur schwer sind die Einzelteile einem Hubschrauber zuzuordnen: geschmolzen, zerbrochen, verbogen. Es riecht nach verbranntem Plastik. Dichter Nebel minimiert die Sicht auf der Autobahn 6, dazu kommen frostige Temperaturen - kein angenehmer Ort, keine angenehme Zeit.

Die Haller Feuerwehr kann dem Piloten des privaten Hubschraubers nicht mehr helfen - die Einsatzkräfte leuchten die Unfallstelle aus, damit die Polizei Spuren sichern kann - aber auch dies Aufgabe scheint unmöglich: Das Wrack des Helikopters und die Leiche des Piloten sind bis zur Unkenntlichkeit verbrannt. Rettungskräfte stehen fassungslos daneben - teils voller Ekel, teils fasziniert blicken sie auf die grausige Szenerie.

Jochen Ekert, stellvertretender Kommandant der Crailsheimer Feuerwehr, ist Augenzeuge: "Ich fuhr mit dem Auto auf der A6 kurz nach Kupferzell. Da sah ich einen grellen Blitz. Beim Näherkommen dachte ich, dass es eventuell ein Spannungsüberschlag war."

Nach Recherchen dieser Zeitung will der Pilot die gelbe Robinson R44, ein viersitziger, einmotoriger Helikopter amerikanischer Bauart, von Augsburg aus überführen. Offenbar geht er aufgrund des dichten Nebels auf Tiefflug - obwohl für solche Maschinen, die auf Sicht fliegen, eine Mindesthöhe von 150 Metern vorgeschrieben sind.

Auf Höhe der Ortschaft Herdtlingshagen streift die Maschine offenbar eine Hochspannungsleitung, fängt Feuer, stürzt in die Tiefe und rammt dabei noch einen Laster.

Der Notruf geht um 16.41 ein. Rettungskräfte können durch die Flammen zunächst nicht zum Wrack vordringen. Ohnehin kommt für den Piloten jede Hilfe zu spät. Weitere Personen sind wohl nicht an Bord. Bei dem Verunglückten handelt es sich laut Rolf Kircher von der Haller Polizei vermutlich um einen 44-Jährigen aus dem Öhringer Raum. "Die Leiche ist allerdings kaum zu identifizieren."

Wohin der Helikopter unterwegs war, ist nicht geklärt, so Axel Raab von der Deutschen Flugsicherung. "Der Pilot hat sich bei unserem Wachleiter auf der Kontrollstelle Langen auch nicht gemeldet." Der Tower in Hall meldet, dass die Maschine auf dem Radar nicht zu sehen war. Das deute darauf hin, dass der Pilot sehr niedrig geflogen ist.

Bei der beschädigten Leitung handelt es sich laut Transnet-BW-Sprecherin Regina König um eine Höchstspannungsleitung mit 380 Kilovolt. Ein Seil wurde in der Mitte durchtrennt und hängt an beiden Masten herunter. Die EnBW hat die Leitung vom Netz genommen. Verbraucher in der Region hätten vermutlich nur ein kurzes Lichtflackern bemerkt. Um die Versorgungs-Sicherheit zu gewährleisten, wird der Strom über andere Leitungen zu den Kunden geleitet.

Auf einer Brücke über die Autobahn zwischen Herdtlingshagen und Gaisdorf sammeln sich Schaulustige. Einer hat ein Fernglas mitgebracht, andere zücken ihr Handy, um Fotos zu schießen.

Erst im Juni war eine Maschine des gleichen Typs, ebenfalls in Augsburg gestartet, kurz vor dem Ziel bei Salzburg abgestürzt. Damals meldete der 26-jährige Pilot über Funk, dass er notlanden müsse. Wenig später verschwand die Maschine vom Radar. Beim Aufprall im Wald hatten die vier Personen im Alter von 22 bis 29 Jahren keine Chance.

Info Die Haller Polizei bittet Augenzeugen, sich unter der Telefonnummer (0791) 400252 zu melden.


Quelle - haller Tagblatt
Aktualisiert: Freitag 11.01.2013, 07:55

Tochter in künstlichem Koma

Blutiges Familiendrama in Hall: Leichen der Eheleute werden obduziert

Nach dem blutigen Familiendrama am Mittwochmorgen schwebt die 24-jährige Tochter weiter in Lebensgefahr. Sie wurde ins künstliche Koma versetzt. Ihr Vater brachte ihre Mutter und dann sich selbst um.

THUMILAN SELVAKUMARAN

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Der blutüberströmte Tatort ist ein Tag nach dem Familiendrama gereinigt: Zwischen dem hellblauen Fiat Punto des Opfers und einem davor stehenden Opel Corsa (zwischenzeitlich weggefahren) wurde die 51-Jährige von ihrem Mann getötet. Offenbar zog er die Leiche anschließend links auf die Grünfläche und versteckte sie im Busch hinter dem Baum. Foto: Thumi 
Schwäbisch Hall Auch einen Tag nach der grausigen Tat in Veinau sitzt bei den Hallern der Schock tief. Zu verstörend wirkt das Familiendrama um den 53-Jährigen, der erst seine von ihm getrennt lebende Ehefrau mit einem Rundeisen erschlagen, seine Tochter wohl mit dem selben Gegenstand lebensgefährlich verletzt hatte und anschließend Suizid beging. Die Polizei ermittelt weiter auf Hochtouren. Auf Antrag der Staatsanwaltschaft Hall werden die beiden Leichen obduziert.

Bei der ersten Tat am Mittwochmorgen gegen 5.30 Uhr geht die Polizei nun davon aus, dass der Mann seine Noch-Ehefrau auf dem Parkplatz abgepasst hat. Die Frau sei in dieser Woche regelmäßig früh morgens zur Arbeitsstelle nach Rosengarten gefahren. Der 53-Jährige habe sie zwischen zwei Autos angegriffen. Blutspritzer deuten darauf hin, dass er mit seiner Waffe mehrfach auf den Kopf eingeschlagen hat - auch nachdem sein Opfer auf dem Boden lag. Anschließend habe er wohl die Leiche in das Gebüsch gezogen, um sie dort zu verstecken.

Ähnlich rabiat ging der Mann wenig später in einem der Wohnblocks in der Kreuzäckersiedlung auf seine Tochter los. Die 24-Jährige wurde lebensgefährlich am Kopf verletzt. Die Kripo konnte später in der Wohnung die Tatwaffe sicherstellen.

In seinem Haus in den Pfauäckern in Weckrieden weckte der Mann, der bei einer Behörde in Hall angestellt war, gegen 7 Uhr seinen 22-jährige Sohn und beichtete ihm, dass er Frau und Tochter umgebracht habe - wohl ohne zu wissen, dass die 24-Jährige noch lebt.

Anschließend stürmte der Mann aus dem Haus. "Der Sohn rannte draußen hinterher, verlor seinen Vater aber bald auf den Feldwegen", erklärt Hermann Schüttler, Sprecher der Haller Polizei.

Vom Mobiltelefon aus wählte der 22-Jährige um 7 Uhr den Notruf. Vermutlich erreichte der 53-Jährige das wenige hundert Meter entfernte Diak noch bevor die Fahndung der Polizei eingeleitet wurde. "Ein Weg führt auf die Rückseite des Diak-Hochhauses, wo es ebenerdig auf den zehnten Stock geht", so Schüttler. Ein Zeuge habe beobachtet, wie der 53-Jährige um eine Tür herumgekletterte, bis zum Ende der Dach-Plattform ging und ohne zu zögern sprang.

Die Tochter, die beim Anrücken der Polizei selbst die Tür öffnen konnte, schwebe weiterhin in Lebensgefahr, so Schüttler. Sie sei aufgrund ihres kritischen Zustands in einer Stuttgarter Klinik ins künstliche Koma versetzt worden.

Genaue Angaben zum Motiv gibt es noch nicht - die Polizei vermutet aufgrund des Abschiedsbriefes des Vaters familiäre Probleme und die anstehende Scheidung der Eheleute. Seine Frau, so heißt es von Nachbarn, war erst vor kurzem aus dem gemeinsamen Haus in Weckrieden in eine Drei-Zimmer-Wohnung nach Veinau gezogen.

Der Sohn und Familienangehörige der beiden Toten werden seelsorgerisch betreut, so Schüttler. Die Polizei hofft auf weitere Erkenntnisse, wenn das Obduktionsergebnis am Freitag vorliegt. Die 15-köpfige Ermittlungsgruppe "Hecke" befrage weiter das Umfeld. Unklar sei, wo sich der Mann zwischen 5.30 und 7 Uhr aufgehalten hat.


Quelle - Haller Tagblatt
 Erscheinungsdatum, -zeit: Freitag 11.01.2013, 7:30 Uhr

Polizei sieht keine Häufung bei Tötungsdelikten

THUMI

Schlusspunkt 255 Tötungsdelikte hat es 2011 in Baden-Württemberg gegeben. "Für 2012 liegen noch keine Zahlen vor", so Frank Spitzmüller vom Innenministerium - es sei im langjährigen Vergleich aber keine signifikante Steigerung zu erkennen. "Solche Ausmaße wie in Hall finden häufig im familiären Umfeld statt", meint Spitzmüller. Es handle sich dabei meistens um langanhaltende Konflikte in der Beziehung, beispielsweise bedingt durch Sorgerechtsstreit, Schulden oder Scheidung. "Oftmals ist für Außenstehende wenig zu erkennen, erst die finale Tat setzt den Schlusspunkt der Auseinandersetzung", so der Referent.

Seelsorge Neben Angehörigen werden auch Polizisten psychologisch betreut, die mit grausamen Taten konfrontiert werden, sagt Markus Schweikert vom Innenministerium. Posttraumatische Belastung, Stress und Traumata seien keine Seltenheit. Geschulte Beamte und Psychologen kümmern sich um die Polizisten.
  



Quelle - Haller Tagblatt
 Erscheinungsdatum, -zeit: Freitag 11.01.2013, 7:30 Uhr

Blutiges Familiendrama

Mann tötet Ehefrau in Veinau und später sich selbst - Tochter schwebt in Lebensgefahr

Ein Familienvater soll am Mittwoch seine von ihm getrennt lebende Frau getötet, später seine Tochter lebensgefährlich verletzt haben. Der 53-Jährige brachte sich danach selbst um: Er sprang vom Diak-Hochhaus.

THUMILAN SELVAKUMARAN


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Ein Kriminaltechniker der Haller Polizei geht mit seiner Ausrüstung an der Hecke (links) in Veinau vorbei, in der am Mittwochmorgen die Leiche der getöteten 51-Jährigen gefunden wurde. Fotos: Thumi  Das Mehrfamilienhaus in der Veinauer Schwanenstraße. 

Schwäbisch Hall Der Ort wirkt am gestrigen Mittwoch ruhig, der morgendliche Berufsverkehr an der Landesstraße zwischen Hall und Crailsheim rauscht vorbei. Nur manche Autofahrer blicken in Veinau zur Abzweigung nach Tüngental und entdecken die Polizeiabsperrung. Ein Teil der Schwanenstraße ist dicht, fünf Streifenpolizisten sperren den Bereich von beiden Seiten ab. Kein Blaulicht, kein Lärm - Totenstille.

Vor einer Hecke direkt an einem großen Mehrfamilienhaus beugen sich gegen 10.30 Uhr drei Kriminalbeamte in weißen Overalls über die Leiche einer 51-Jährigen, die auf dem Rücken liegt. Die Männer machen Fotos, messen Abstände und markieren Blutspritzer. Helfen können sie der zweifachen Mutter nicht mehr - lediglich Spuren sichern. Die grausige Tat hat sich schon Stunden früher ereignet, vermutlich gegen 5.30 Uhr. Das Familiendrama hat aber noch schrecklichere Dimensionen: Letztlich sterben Vater und Mutter, die Tochter ringt im Krankenhaus um ihr Leben. Lediglich der Sohn bleibt körperlich unbeschadet.

Die Haller Polizei geht bislang davon aus, dass der getrennt lebende, 53-jährige Ehemann am frühen Mittwochmorgen seine Frau aus dem Mehrfamilienhaus in Veinau gelockt hat. Offenbar hat er dann mehrfach mit einer Eisenstange auf sie eingeschlagen. Ob es zuvor einen Streit gab, sei nicht geklärt, so Hermann Schüttler, Sprecher der Haller Polizei. Wieso die Leiche in der Hecke lag - 20 Meter von der Haustüre entfernt und abseits vom Fußweg - müsse auch noch ermittelt werden.

Der 53-Jährige habe sich nach der blutigen Tat auf den Weg in die fünf Fahrminuten entfernte Kreuzäckersiedlung gemacht. Dort, im Leonhard-Kern-Weg, ist die Wohnung seiner Tochter im Obergeschoss eines Mehrfamilienhauses. Der Vater habe auch auf die 24-Jährige eingeschlagen - vermutlich mit der selben Eisenstange - und verletzte sie lebensgefährlich. Dann sei er ins Auto gestiegen und nach Weckrieden gefahren, wo er mit seinem 22-jährigen Sohn lebte.

"Der Vater hat dem Sohn gesagt, dass er die Frau und Tochter umgebracht habe und ist dann aus dem Haus gerannt", so Schüttler weiter. Der Sohn alarmierte unmittelbar darauf die Polizei - gegen 7 Uhr. Diese leitete eine Fahndung nach dem 53-Jährigen ein. Der Vater ging in der Zwischenzeit zum nahegelegenen Diak. Gegen 7.30 Uhr sprang er aus dem zehnten Stock des Hochhauses und schlug auf dem rückseitigen Vorbau im dritten Stock auf. Er erlag seinen Verletzungen.

Die Polizei überprüfte die Wohnung der Tochter, die selbst die Tür öffnen konnte. "Wieso sie vorher keinen Notruf abgesetzt hat, muss geklärt werden", so Schüttler. Vielleicht sei sie bewusstlos gewesen, vermutet er. Sie wurde in lebensbedrohlichem Zustand ins Diak gebracht und am Abend in eine Stuttgarter Spezialklinik verlegt.

Eine Polizeistreife durchsuchte auch die Wohnung der Mutter in Veinau, fand aber keine Spuren - bis sie die Leiche im Gebüsch entdeckte. Diese wies mehrere schwere Verletzungen auf. "Erst als auch der Tote vor dem Diak identifiziert war, wurde uns das Ausmaß dieses Familiendramas klar", so Schüttler.

Viele Fragen zur Tat sind offen. Die Polizei hat daher die 15-köpfige Ermittlungsgruppe "Hecke" eingerichtet. Unklar ist, ob die erste Tatzeit bei 5.30 Uhr liegt. "Ein Anwohner hatte uns zu dieser Zeit alarmiert, da er durch einen Schrei geweckt wurde", so Schüttler. Beamte seien sofort nach Veinau gefahren, hätten in der Dunkelheit aber nichts ausmachen können.

Wenn der Anwohner tatsächlich die 51-Jährige gehört hat, dann vergingen zwischen dem Tötungsdelikt und dem Notruf des Sohnes eineinhalb Stunden. "Wir wissen nicht, was der Mann in der Zwischenzeit noch gemacht hat oder ob er noch woanders war", meint Schüttler. Daher werden in den nächsten Tagen Familienangehörige, Nachbarn und mögliche Zeugen befragt.

Der Vater hat einen Abschiedsbrief hinterlassen. "Er hat ihn Familienangehörigen in den Briefkasten geworfen." Nach der Auswertung geht die Haller Polizei davon aus, dass das Motiv der Tat "in familiären Auseinandersetzungen und der bevorstehenden Scheidung der Eheleute liegt".


Quelle - Haller Tagblatt
Erscheinungsdatum, -zeit: Donnerstag 10.01.2013, 7:30 Uhr

Dienstag, Januar 15, 2013

Knapp 13 Jahre Haft für Mörder

Hamdi B. aus Westheim wurde am Freitag wegen heimtückischen Mordes an seiner Ehefrau vor dem Landgericht Ellwangen verurteilt. Er gilt allerdings als erheblich vermindert schuldfähig.

Autor: THUMILAN SELVAKUMARAN |

So gut gelaunt ist Verteidigerin Anke Stiefel-Bechdolf während keiner der fünf Verhandlungstage zu sehen. Genüsslich vernimmt sie die Einschätzung von Psychiater Detlev Blocher aus Würzburg, der den Angeklagten als schwer depressiv bezeichnet. Der Westheimer zeige narzisstisches, hoch manipulatives und demonstratives Verhalten. Er habe in der Ehe dominierend sein wollen. "Mit diesem Störungsmuster konnte es ihm aber nicht gelingen." Gewalt war in der Ehe an der Tagesordnung. Aktenkundig sind Schläge und Angriffe mit dem Messer. Vergewaltigungen gab es, sie kamen aber nie zur Anzeige.

Dass Hamdi B. seine von ihm getrennt lebende Ehefrau in Gmünd erstochen hat, daran haben die Prozessbeteiligten keine Zweifel - hat der Westheimer doch selbst nach der Tat die Polizei gerufen und sich gestellt. Der Psychologe zieht aber eine verminderte Schuldfähigkeit in Betracht. Der 32-Jährige könne während der Tat durch psychische Störungen in seiner Steuerungsfähigkeit erheblich eingeschränkt gewesen sein. Die Strafverteidigerin, die den Prozess zu Beginn als "Hinrichtung meines Mandanten" bezeichnet hat, sieht ihre Chance: "So ein Gutachten wünscht man sich!"

So bleibt Staatsanwalt Peter Humburger in seinem einstündigen Plädoyer nichts anders übrig, als von der Forderung nach einer lebenslangen Haftstrafe abzusehen. Er fordert wegen heimtückischen Mordes 14 Jahre Haft. Ohne die verminderte Schuldfähigkeit müsste lebenslänglich verhängt werden. Stiefel-Bechdolf sieht nur Totschlag und fordert zwischen 12 und 13 Jahren. Rechtlich wären zwischen 3 und 15 Jahren möglich. "Die Tat hat mich selbst schaudern lassen. Er hat seinen beiden Söhnen die Mutter genommen." Das müsse im oberen Strafbereich angesiedelt werden. Stiefel-Bechdolf schickt Kritik ans Haller Amtsgericht. Wären die Bewährungsauflagen gegen Hamdi B., der 2011 wegen Körperverletzung an seiner Frau verurteilt wurde, besser überwacht worden, dann würde Nejla B. noch leben. Der Angeklagte versäumte damals mehrere Termine und hinderte seine Frau, am Täter-Opfer-Ausgleich teilzunehmen.

Gerhard Ilg, Vorsitzender Richter der Schwurkammer, verhängt letztlich zwölf Jahre und neun Monate Haft. "Depression, Panikstörung und Medikamentenabhängigkeit haben die Tat begünstigt." Die drei Richter und zwei Schöffen gehen nicht von einer geplanten Tat aus - obwohl Hamdi B. kurz zuvor vergeblich versuchte, sich bei einem Bundeswehrangehörigen eine Waffe zu beschaffen und obwohl er ein 20 Zentimeter langes Fleischermesser bei der Tat am 3. Juni 2012 mit sich führte. Zudem äußerte er vor Freunden, dass er seine Frau umbringen werde, falls sie einen "Neuen" hat.

Es gab diesen Nebenbuhler - Hamdi B. wusste das. Ilg geht davon aus, dass an jenem Abend, als die 28-Jährige ihren Mann in ihre Wohnung ließ, ihm Tee kochte und sie sich unterhielten, es um ihre endgültige Trennung ging. Hamdi B. habe zum Messer gegriffen und seine wehrlose Ehefrau heimtückisch erstochen.
Wie es genau passiert ist, bleibt letztlich unklar. Hamdi B. schweigt dazu. Ilg wiederholt die Aussage des Psychiaters, dass die Krankheit "exzellent behandelbar" sei, auch im Gefängnis. Bei korrekter Medikation gehe nach dieser langen Haftdauer keine Gefahr mehr von Hamdi B. aus.

Der Verurteilte selbst verzichtet auf Rechtsmittel. "Das heißt, sie übernehmen Verantwortung für die Tat?", fragt Ilg. Hamdi B. zeigt nach langer Zeit wieder Regung: Er nickt zustimmend.


Die Stadt hat für ausgediente Weihnachtsbäume Sammelstellen eingerichtet. Bis zum 18. Januar können die nadelnden Exemplare abgestellt werden.

Quelle - haller Tagblatt
Erscheinungsdatum, -zeit: Mittwoch 27.12.2012, 7:30 Uhr 

Bei Frost wird gefällt

Baum-Monument in den Ackeranlagen bleiben maximal 51 Tage - Schaden durch Pilz

Die Blutbuche in den Ackeranlagen muss dran glauben. Spätestens am 28. Februar wird sie gefällt. Wenn es längere Zeit frostig ist, bereits früher. Der 150 Jahre alte Baum ist vom Pilz befallen und innen hohl.

THUMILAN SELVAKUMARAN


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Die 150 Jahre alte Blutbuche wird, wenn es nach den Plänen der Stadt geht, bis spätestens 28. Februar gefällt. Durch einen Pilz wurde der Baum innen ausgehöhlt. Die Sicherheit für Passanten sei gefährdet. Foto: Arslan 
Schwäbisch Hall Namen und Botschaften sind in den Stamm geritzt, Kinder nutzen den stattlichen Baum gegenüber dem Anlagencafé häufig zum Klettern. Der Brandkrustenpilz hat aber dafür gesorgt, dass die Blutbuche, die viele Haller seit ihrer Kindheit kennen, innen bis auf 25 Zentimeter ausgehöhlt ist.

Die Verkehrssicherheit sei gefährdet, bescheinigte Bausachverständige Tanja Sachs aus Pfedelbach im Sommer. Der rund 150 Jahre alte Baum müsse gefällt werden. In einem zweiten Gutachten von Lothar Wessolly aus Stuttgart ist vom Gegenteil die Rede: kein zwingender Handlungsbedarf. Der Stuttgarter schlägt vor, die Blutbuche "stehend als Biotop sterben zu lassen".

Auch wenn die Entscheidung für einige Stadträte schmerzlich war - eine Mehrheit für Rückschnitt des Baumes, Einzäunung oder Verlegung des Fußwegs wurde Ende September nicht gefunden. Die Säge soll angesetzt werden, sobald der Frost da ist.

"Wir warten immer noch auf Minus-Temperaturen", erklärt Robert Gruner, Sprecher der Stadt Hall, auf Nachfrage. "Wenn der Boden härter ist, dann werden Flurschäden minimiert." Gesetzlich ist das Fällen aber nur bis Ende Februar möglich. "Falls das mit dem Frost nichts mehr wird, dann werden wir unabhängig von der Witterung fällen." Die Blutbuche hat also noch maximal 51 Tage.

Auch andere Bäume in den Ackeranlagen sollen fallen, die laut Stadtplaner Eberhard Neumann keine Krone mehr entwickeln oder zu dicht nebeneinander stehen. Welche genau, dazu schweigt Robert Gruner. "Wir bereiten derzeit eine Liste für den Bau- und Planungsausschuss des Gemeinderats vor." Ziel sei, auch diese Bäume noch vor dem 1. März zu fällen. Verpasst die Stadt diese Frist, ist der Schnitt erst ab dem 1. Oktober möglich.

Die beiden Schwarznuss-Bäume vor dem Goethe-Institut bekommen noch einige Jahre Schonfrist. Die Stadt erklärte im Sommer, die Bäume seien zu groß geworden und die Wurzeln würden das Mauerwerk angreifen. Eine Fällung kommt nicht mehr in Frage - beide sind als Naturdenkmäler geschützt.

"Wenn sie statisch nicht mehr tragbar sind, dann kann man eine Befreiung vom Verbot der Fällung anstreben", erklärt Mathias Messerschmidt, Kreisökologe beim Landratsamt. Das trifft für die Bäume am Spitalbach aber nicht zu. "Wir prüfen das in etwa fünf Jahren noch einmal", meint Gruner.

Andere Bäume in der Innenstadt sind nicht geschützt, auch nicht die Linden auf der Minigolfinsel - "obwohl diese geschützt gehören", so Messerschmidt. In Hall sei aber die Stadtverwaltung dafür selbst verantwortlich, das Landratsamt könne nur Bäume außerhalb der Stadtgrenze schützen lassen.

Im Fall der Blutbuche versteht der Kreisökologe die Entscheidung des Gemeinderats. "Absterben lassen in einem stark begangenen Bereich wie in den Ackeranlagen birgt ein hohes Risiko." Falls Passanten von herabstürzenden Ästen verletzt werden würden, stehe die Stadt in der Haftung. "Das Risiko würde ich nicht eingehen wollen", so Messerschmidt.

Ein Beispiel gegen eine Fällung sei die breite Eiche zwischen Teurershof und Gottwollshausen, die geschützt ist. "Auf der Weide gibt es keinen Grund, den Baum zu fällen. Dort kann man ihn auf vielfältige Weise absichern."


Quelle - Haller Tagblatt
Erscheinungsdatum, -zeit: Dienstag 08.01.2013, 7:30 Uhr